Nutzung von Kamelen

Als Prestigeobjekt:

Bei den Beduinen bedeuten Kamele Reichtum. Je mehr Kamele eine Familie besitzt, desto reicher wird sie angesehen.
Sie gelten als Existenzgrundlage von Großfamilien und als Richtschnur der sozialen Ordnung. Sie gelten als Verhandlungsgrundlage der Hochzeitgabe.

In den arabischen Ländern ist das Kamel untrennbar mit den Beduinen verbunden. In der arabischen Sprache der Nomaden sind Kamele daher oft Gegenstand von Redensarten, Dichtungen und Weisheiten.

Als Zugtiere:

Zusammen mit anderen Zugtieren, wie z.B. Rind oder Esel bzw. allein werden Kamele zum ziehen von Lasten, zum Pflügen der Felder oder zum Ziehen anderer Bodenbearbeitungsgeräte eingesetzt.

Ebenso zur Wassergewinnung wie z.B. zum Wasserschöpfen aus Brunnen oder zum Wasserziehen in Bewässerungsanlagen.

Als Zugtiere werden bevorzugt kastrierte männliche Tiere eingesetzt.

Als Packtiere:

Lastdromedare können bis zu 150 kg über eine Strecke von 50 km pro Tag tragen. Auf kurzen Strecken können sie sogar 400 kg befördern.

In den trockenen Gebieten der Nomaden, ob arktische Tundra, die Wälder de Taiga, die Steppe oder die Wüste ist ein Nomadentum ohne die Mithilfe von Kamelen nicht denkbar.

Am bekanntesten wurde das Kamel wohl durch die sagenhaften Karawanen, welche sich mit gemütlichen 4 Stundenkilometer durch die Wüste bewegen. Durch Ruhepausen und der geringen Geschwindigkeit legen Karawanen im Schnitt 20 km pro Tag zurück. Mit den Karawanen wurden früher die Handelsgeschäfte in den Wüstenregionen erst übergreifend möglich.

Als Reittiere:

Reitdromedare können bis zu 80 km pro Tag zurücklegen, Renndromedare sogar bis zu 140 km pro Tag, wenn genügend Futter zur Verfügung steht und die Wetterlage es erlaubt. Mit Reitdromedare werden regelmäßig Wettrennen abgehalten. Wobei allerdings zu sagen ist, daß Dromedare da doch recht eigen sind. Es kann passieren, dass ein Tier nun mal einfach keine Lust hat zu laufen und so entweder stehen bleibt, sich am Rande lieber mit Fressen beschäftigt, oder einfach in eine andere Richtung läuft. Die Saison für Kamelrennen erstreckt sich von Oktober bis April. Über 40 Stundenkilometer können die besten Renndromedare laufen, in der Regel in einem Alter von drei oder vier Jahren. Renndromedare werden mit einem harten Training sowie mit spezieller Kraftnahrung aus Honig, Datteln, Eiern, Alfaalfa und Gerste zu Höchstleistungen gebracht. Reinrassige Siegerkamele erzielen beim Verkauf zwischen 400.000 und 700.000 DM. Das bisher teuerste Renndromedar wechselte für 3,1 Millionen Dollar den Besitzer. Die Jockeys, oft minderjährige Jungs, werden teilweise fest an dem Sattel-Ersatz festgebunden, nicht selten sogar mit Klebebändern festgeklebt.

Bei Wettrennen zwischen Kamel und Pferde gewinnt in der Regel das Pferd bei kürzeren Strecke, das Kamel ist aber ungeschlagen das bessere bei mehrtägigen Märschen.

Als Kriegstiere:

In Nordwestindien (Rasjasthan) gibt es seit 1845 das Bikaner Camel Corps, heute zugehörig zur indischen Armee. Einsatz fand diese Camel Corps u.a. in China 1900 gegen den Boxer-Aufstand und im Somali-Feldzug (1902 – 1904). Auch bei den beiden Weltkriegen wurden sie eingesetzt.

Ebenso in Ägypten gibt es Kamele im Militär.

Als Rohstofflieferant:

– Kameldung
….ein hervorragender Brennstoff

– Kamelurin
….morgens wärmen die Beduinen ihre Hände im Kamelurin und die Frauen waschen sich damit die Kopfläuse aus den Haaren. Neugeborene werden damit getauft.

– Kamelfelle
….haben keine wirtschaftliche Bedeutung und sind daher selten Handelsgüter

– Kamelleder
….ist wenig reißfest und sehr unergiebig. Dient meist zur Herstellung von Sandalen.

– Kamelfleisch
….bei Schlachttiere unter 5 Jahre ist das Fleisch mit magerem Rindfleisch vergleichbar. Abgesehen von den Höckern ist Kamelfleisch sehr fettarm, es ist grobfaserig und bei älteren Tieren sehr sehnig und trocken. Gefülltes Kamel ist ein beliebtes Gericht, hier wird ein junges (ca. 8 Monate altes männliches Babykamel) mit Lamm und Huhn gefüllt und mit Gewürzen in einer Grube ca. 2 Tage und eine Nacht gegart.
Kamelfleisch lässt sich zu Trockenfleisch, Würste oder Konserven verarbeiten.
Im Islam unterliegt das Kamelfleisch nicht dem Speisetabu, ganz im Gegenteil, durch den Verzehr von Kamelfleisch symbolisiert man sogar die Zugehörigkeit zu dieser Religion.

– Kamelmilch
….hieraus werden Käse, Butter und andere Kamelmilchprodukte hergestellt.
Beduinen kommen monatelang ohne Wasser aus, indem sie sich ihren Durst mit Kamelmilch stillen. Solange die Milch nicht abgekocht wird, dient sie als wichtiger Vitamin C-Lieferant vor allem in den Regionen der vitaminarmen Wüste.
Besonders ertragreich beim Melken sind die Kreuzungen von Trampeltier und Dromedar (Tulus)

– Kamelwolle
(Aussehen / Beschaffenheit / Ernte / Ertrag / Eigenschaft / Qualität / techn.Werte / Nachteile)

….bei der Verwendbarkeit des Kamelhaares muss man schon bei der Kamelart unterscheiden:

Das Haar der in den warmen Regionen lebenden Dromedare ist sehr grob und wird daher meist zu Teppichen, Schuhstoffen oder Filz verarbeitet.

Das Haar der in den „rauen“ Regionen beheimateten Trampeltiere hingegen besteht aus dem groben, langem Deckhaar (Grannenhaar) und dem feinen Flaumhaar.
Vom groben und langem Deckhaar kann Regen und Schnee gut ablaufen. Das feine Unterhaar schützt gegen Kälte und Hitze und wird daher gerne in hochwertigen Füllungen von Decken verwendet.

Bei den Angaben über die Menge der Feuchtigkeit, welche Kamelhaar aufnehmen kann ist in der verschiedenen Fachliteratur die Rede von 20% bis hin zu 45% des Eigengewichtes. Sicher ist aber, dass Kamelhaar ein noch größeres Wärmerückhalte- bzw. Abgabevermögen hat als Schurwolle und, dass die hygroskopische (wasseranziehende) Eigenschaft Kamelwolle so wertvoll macht für die exklusive Bettausstattung. Es schafft ein trockenes und stark antirheumatisch wirkendes Schlafklima.

Aus preislichen Gründen wird Kamelhaar meist mit Wolle gemischt.

Aussehen:
-Farbe: beige/braun
-seidiger, goldener Glanz
-von jungen Kamelen: naturblond, fast weiß
-gekräuseltes Flaumhaar (Unterhaar)
-je länger und feiner, desto besser und teurer
-seidiger, goldener Glanz

Beschaffenheit:
-die Haaroberfläche ist geschuppt
-weicher, geschmeidiger Griff
-Wolle von Jungtieren und Stuten ist feiner als von ausgewachsenen männlichen Tieren

Ernte:
-das Haar wird nicht geschoren, sondern büschelweise von den Tieren abgeworfen. Diese Büschel werden gesammelt und von dem groben Deckhaar (Grannenhaar) getrennt.

Ertrag:
-pro Tier ca. 5-8 kg Wolle/Jahr
-weltweit ca. 4000 Tonnen/Jahr

Eigenschaften:
-hohes Wärmerückhaltevermögen
-enthällt Wollfett (Lanolin) -ihm werden heilende Wirkung bei rheumatischen Schmerzen zugeschrieben
-stark strapazierfähig

Qualität+Feinheit:

-hängt sehr von einigen Faktoren ab:

– Geschlecht
– Alter
– Körperteil
– geographische Region – Lebensraum
– Rasse

techn. Werte:

Stärke
– 15 – 25 Mikron
– Durchmesser 20 – 50 Mikrometer
– Durchmesser 14 – 26 Mikrometer bei höchster Qualitätsstufe

Länge:
– 30 – 150 mm
– 50 – 60 mm – bei Deckhaare (Grannenhaar)
– 60 – 100 mm – bei Flaumhaare

Querschnitt
– rund bis oval
– innen teilweise hohl, besonders bei dünnen Fasern

Nachteile:
Wie bei allen tierischen Fasern ist die Gefahr, bei mechanischer Bewegung in flüssigen Elementen das die Wolle verfilzt (z.B beim Waschen)
Das Verfilzen begründet sich auf die schuppenartige Oberfläche der tierischen Faser. Bei Berührung mit Wasser quellen die Schuppenränder auf und treten aus der Faseroberfläche hervor.

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